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Evangelisch-Lutherische Christuskirche Rom
Erneuerung Glockenstuhl      Bericht von den Arbeiten

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Im Verlauf der Jahre hat man die unterschiedlichsten Anfragen/Aufträge an uns herangetragen.

Eine Anfrage ganz besonderer Art erreichte mich im Sommer 2008. Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in der Ev.-Luth. Christuskirche in Rom eine größere Glockenmontage zu übernehmen.

Die 1922 fertiggestellte Christuskirche trägt in ihrem Campanile ein dreistimmiges Schilling-Geläut h0, d' und e'.
Mit der grundlegenden Instandsetzung hatte bereits im Februar 2008 eine andere Firma begonnen.
Leider gab es bei den Demontagearbeiten  einen schweren Arbeitsunfall, in dessen Folge die Arbeiten eingestellt wurden.

Im Dezember 2008 reiste ich in die Gemeinde um mir von den Örtlichkeiten und den anstehenden Arbeiten ein Bild zu machen. Vor Ort wurde ich gut aufgenommen. Nach der Besichtigung stellte ich umfangreiche Überlegungen an, startete verschiedene Preisanfragen und stimmte mich mit meinen Mitarbeitern ab. Ich übergab der Gemeinde mein Angebot und erhielt den Auftrag.
Aus der Glockenstube war der alte, nicht mehr tragfähige Stahlglockenstuhl auszubauen und vom Turm zu bringen.
Das Mauerwerk der Glockenstube sollte einen neuen Putz erhalten, ein Schaden am Ziegelfußboden war zu reparieren.
Zur ordnungsgemäßen Aufnahme der drei Glocken war ein bereits gefertigter Eichenholzglockenstuhl in den Turm zu transportieren und aufzubauen.
Mit entsprechend dimensionierten Eichenholzjochen sollten die Glocken im neuen Stuhl aufgehängt werden. Den Abschluss der Arbeiten bildet der Anbau einer modernen elektrischen Glockenläuteanlage.

Um einen zweiten Arbeitsunfall auszuschließen und die Maßgaben der italienischen Behörden zu erfüllen, erstellte das Ingenieurbüro einen detailierten Sicherheitsplan. Darin waren die einzelnen Arbeitsschritte mit allerlei Hinweisen aufgeführt.
Auf der Grundlage dieses Sicherheitsplanes und meiner Erkenntnisse bei der Besichtigung ging ich an die Vorbereitung.
Bei der Vorbereitung einer solchen Montage muss man sehr konzentriert arbeiten. Wenn etwas fehlt, bringt das vor Ort schnell unliebsame Verzögerungen und Aufregung.

Über den Transport musste ich nicht lange nachdenken, zum einen wollte ich nicht unbedingt in Rom mit dem Auto unterwegs sein, zum anderen war der Umfang der zu befördernden Güter so weit angewachsen, dass uns der Transport per Spedition als beste Lösung erschien.
Neben unserem Handwerkszeug mit den Hebezeugen war der aus 7m3 Eichenholz bestehende Glockenstuhl und die Armaturen zu transportieren.
Nachdem am 1.10.2009 alles verladen war, gab es auf dem Sattelzug nur noch drei freie Palettenstellplätze.

Drei meiner Mitarbeiter begleiteten mich am 4.10.09 auf dem Flug nach Rom. Es war ein guter Flug.
Der erste Tag war zum „Ankommen“ vorgesehen. An unserem 2. Tag in Rom ging es frühzeitig los. Um bei der Lkw Entladung kein Verkehrschaos zu verursachen, hatten wir die Spedition für 5.30 Uhr bestellt. Die Entladung verlief reibungslos, das Verkehrschaos blieb aus. Alles war, wie wir es in Deutschland aufgeladen hatten ohne Beschädigungen angekommen. Darüber waren wir sehr froh.
Obwohl die warme Zeit in Rom schon vorbei war, schwitzten wir während unserer Arbeiten in der ersten Woche beachtlich.
Unsere erste Aufgabe war es die Glockenstube zu beräumen. Nachdem das bereits vor einem Jahr demontierte Material nach unten gebracht war, ließen wir die große und die kleine Glocke im Glockenstuhl ab. Die mittlere Glocke stand schon in der Glockenstube, sie war bei dem Unfall abgestürzt.
Wegen dem Verbot von Trennschneidarbeiten wurden alle Metallverbindungen, so sie nicht durch Lösen der großen Schrauben zu trennen waren, mittels Säbelsäge getrennt.

 

 


 

Das Gewicht des alten Stahlstuhls betrug ca. 5000kg, hinzu kamen die schweren Joche und Klöppel.
Leider war es nicht möglich einen Autokran aufzustellen. Jedes Teil musste durch die eng stehenden Säulen der Turmwand auf das Baugerüst gebracht werden. Von diesem Gerüst ging es ca. 15m mit einer elektrischen Winde nach unten auf die Dachterrasse. Wenn das Metall dort ca. 20m über die Terrasse transportiert war, folgte ein zweiter senkrechter Weg ca. 20m mit einem Steilaufzug bzw. mit einer zweiten elektrischen Winde. Das Zerlegen und Abtransportieren vom alten Glockenstuhl hat uns eine Woche beschäftigt.
Nach der Beräumung der Glockenstube wirkte diese recht groß – obwohl sie nur 4,40m mal 4,40m misst.
Eine erste große Etappe war geschafft – es gab anerkennende Worte und Sekt zum Anstoßen.


Um sicher arbeiten zu können, wurden nun in der Glockenstube über dem nach 4 Seiten geneigten Fußboden eine Arbeitsebene eingebaut (Unterbau: Kanthölzer, Belag: 21mm Siebdruckplatten).

 

Auf dieser Ebene ließ es sich gut arbeiten, ohne zu stolpern. Die Glocken konnten seitlich bewegt werden.

 

Bald 100 Jahre nach Errichtung der Kirche bröckelte in der Glockenstube der Putz. Zum Auftrag gehörte auch das Verputzen der Glockenstube.

Loser Putz wurde entfernt und alle Fugen 1-2cm freigelegt. Der Putz wurde als Pinselputz ausgeführt und mit weißer Kalkfarbe gestrichen.

 

Die nächsten Arbeiten verursachten nicht mehr so viel Schmutz.
Der schöne neue Eichenholzglockenstuhl war auf den Turm zu transportieren und aufzubauen.
Diese Arbeit konnten wir gelassen angehen, hatten wir den Glockenstuhl doch auf unserem Firmenhof in Kölleda schon einmal aufgebaut.

 

 

 

 

 

Nur gut, dass der Glockenstuhl aus so vielen Einzelteilen besteht (es sind 72 Stück plus 100 Holznägel). So war der Transport von über 7m3 Eichenholz nahezu problemlos möglich. Die schwersten, größten Teile waren die senkrechten Balken für die Ecken. Sie sind 5,5m lang und wogen ca. 160kg.
Das Aufbauen ging sehr gut voran, es passte alles exakt – ein Lob an die ausführende Zimmerei.
Bei dem Transport vom großen Glockenjoch kamen unsere Transportmittel an ihre Grenzen. Um auch das Eichenholzjoch der großen Glocke sicher nach oben zu bringen, setzten wir zwei Elektrowinden im Parallelbetrieb ein.

 

Entsprechend der Planung bekam die große, 2,7 Tonnen schwere, Glocke ihren Platz über den beiden kleineren nebeneinander hängenden Glocken.
Schon nach dem Einbau der Glockenklöppel gab es erste akustische Eindrücke vom Geläut.
Als die elektrische Läuteanlage angebaut und eingestellt war gab es am 12.10.09 ein beeindruckendes erstes Geläut.
Zum Abschluss unserer Arbeit erfolgte die Abnahme. Vertreter der Gemeinde, der  Ev.- Luth. Kirche Italiens, Planer, Sachverständiger und Sichereitsbeauftragter machten sich mit auf den Weg über das Gerüst in die Glockenstube.
Es gab Erklärungen und Fragen, alles wurde genau angesehen.

 

Das abschließende Vorläuten aller Gocken einzeln und gemeinsam hat wohl alle Anwesende berührt. Die Gemeinde machte deutlich wie sehr sie sich freut ihre Glocken nach so langer Zeit des Schweigens wieder zu hören. Unsere Arbeit wurde „mit Dank“ abgenommen. Die gute Einschätzung war für mich als Auftragnehmer ein sehr schöner Abschluss der fünf wöchigen Arbeit in Rom.

Ich bin dankbar, dass alles so gut abgelaufen ist und es keine Verletzungen gab.

Der Ev.-Luth. Christusgemeinde danke ich für den erteilten Auftrag und die gute Aufnahme in der Gemeinde.

Herrn Dr. Thümmel danke ich für die Vorbereitung und Begleitung unserer Arbeiten vor Ort.

Meinen Mitarbeitern vielen Dank für Ihren Einsatz in Rom und bei den Vorbereitungen.

Am Glockenprojekt Ev.-Luth. Christuskirche Rom arbeiteten mit:

- Glockensachverständiger Dr. Dipl.-Ing. Rainer Thümmel, Radebeul

- Ingenieurbüro Prof. Dipl.-Ing. Olaf Kempe, Dresden

- Zimmerei Müller Thalheim, Neubau Glockenstuhl

- Fa. Volker Bergmann, Ausführung Maurer- und Putzarbeiten

- Glocken & Turmuhren Christian Beck
 

    vor Ort waren:

    Christian Beck
    Christian Garamvölgyi
    Frank Kübitz
    Silvio Beck

   in der Werkstatt/Vorbereitung:

     Hartmut Lutze

   im Büro/Vorbereitung/Logistik/Kommunikation:

    Tino Trautmann
    Ester Beck

- Spedition Emons, Erfurt

 

12/09  CHRISTIAN BECK

 

 

 

 

 

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