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Grundlegende Glockeninstandsetzung

Johanniskirche Magdeburg Demontage

zum Bericht Demontage

zur  Fotoseite Montage

So präsentierten sich die Türme der Johanniskirche bei unserer Ankunft

Blick auf die Glocken vor Beginn der Arbeiten

Aus Angst vor einem möglichen Absturz wurde diese Stützkonstruktion unter den Glocken aufgebaut

Die große Glocke am sehr massiv gearbeitetem Stahljoch

Die kleine Glocke am Stahljoch 2,8t

An diesen schwachen Rundeisenstäben hing die schwere Glocke über Jahrzehnte

Detail Glockenstuhl - Die Korrosion ist nicht zu übersehen

Auch das Seilrad für den Glockenantrieb ist schon stark verrostet

Blick aus der Glockenstube (50m)

Blick über Magdeburg

Werkzeug- und Materialtransport mit elektrischer Winde

Die Flaschenzüge liegen bereit

Christian Garamvölgyi bei der Arbeit

Hartmut Lutze bei Brennschneidarbeiten am Glockenstuhl

Brandschutzmaßnahmen während der Schweißarbeiten - Verkleidung der Holztür

Bei der Arbeit

Alteisen vor dem Abtransport

Wiegen der Glocken

Fund im Glockenjoch

Die große Glocke 6t, gegossen 1658 von Jacob Wentzel

15.03.08  13 Uhr die kleine Glocke 2,8t verläßt die Glockenstube

Abfahrt ins Glockenschweißwerk Nördlingen

Das Team nach getaner Arbeit

Bericht von den Arbeiten

Die Johanniskirche, die älteste der Magdeburger Pfarrkirchen wurde nach schwerer Zerstörung im 2. Weltkrieg erst in den neunziger Jahren wieder aufgebaut. Seit 1999 wird die Kirche als Festsaal und Konzerthalle genutzt.

Auf dem Turm der Johanniskirche war ich das erste Mal im März 1999. Ich erinnere mich – die Kirche war eine riesige Baustelle, verschiedene Firmen waren bei der Arbeit, - Gerüste -  Kompressor - Lüftungstechnik usw.

Oben in der Glockenstube angelangt, hatte ich das alles hinter mir gelassen. Ich war, nachdem ich die 230 Stufen nach oben gegangen war, mit den großen, alten Glocken allein. Die Größe der beiden Glocken beeindruckte mich. Auch wenn ich schon Glocken dieser Größe, dieses Alters gesehen hatte, gearbeitet hatte ich damals noch nicht an einer so schweren Glocke. Schätzungen gingen von einem Glockengewicht von etwa 7 t aus. Mit einer gewissen Ehrfurcht und spürbarer Begeisterung ging ich daran, alles genau anzusehen und mir Notizen zu machen, um dann in meinem Büro das gewünschte Angebot zu erstellen.

Mein Angebot muss für die Stadt Magdeburg nicht uninteressant gewesen sein, denn ich wurde zum Vergabegespräch eingeladen.

Leider wurde aus finanztechnischen Gründen der Auftrag doch nicht erteilt. Das große Glockenprojekt wurde zurückgestellt.

Neue Hoffnung schöpfte ich, als im Dezember 2003 erneut ein großer Umschlag vom Hochbauamt Magdeburg in mein Büro gebracht wurde – Ausschreibungsunterlagen Johanniskirche – Turmuhr – nicht die Glocken. Den Auftrag habe ich nicht erhalten – es hatte jemand billiger angeboten als ich.

Zwischenzeitlich dachte ich schon, das Glockenprojekt der Johanniskirche haben die Magdeburger wohl aufgegeben oder zumindest aus den Augen verloren. Aber ich irrte mich, das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche hat sich stark gemacht und für die Finanzierung des Glockenvorhabens gesorgt.

Es gab wieder eine Ausschreibung – diesmal erneut die Glocken. Der Auftrag ging an die Firma Glocken & Turmuhren Christian Beck in Kölleda und umfasste folgende Aufgaben:

    Ausbau vom alten Eisenglockenstuhl

    Lieferung und Montage von einem neuen Holzglockenstuhl

    Transport von Glocke II in das Glockenschweißwerk und zurück

    Wiedermontage beider Glocken im neuen Stuhl mit neuen Armaturen und elektronischer Glockenläuteanlage

 

Seitens der Planung war vorgesehen, die beiden Glocken in einen einfeldigen Glockenstuhl über einander zu hängen. Mir war unwohl bei dem Gedanken die kleinere Glocke mit 2,8 t in etwa 5 m Höhe zu hängen, sodass sie über der großen Glocke schwingt. Der Platz in der Glockenstube ist knapp, aber es reicht. - Ich machte dem Bauherrn den Vorschlag die beiden Glocken in einen hölzernen Stuhl nebeneinander zu hängen. Unsere Argumente überzeugten. Der Auftrag wurde uns für einen zweifeldigen Glockenstuhl erteilt. Es gab eine große Beratung vor Ort wo alle nötigen Dinge abgesprochen wurden. Außer den direkten Arbeiten an den Läuteglocken war vorgesehen das Mauerwerk, sowie Decke und Fußboden der Glockenstube instand zu setzen.

Im genau geplanten Bauablauf war die Glockendemontage für KW 7/08 eingetragen.

So eine große Demontage will gut vorbereitet sein, damit alles reibungslos funktioniert und nichts passiert.

In Gedanken bin ich den Turm öfters hoch und herunter gestiegen – habe die großen Glocken abgebaut.

Als ich dann am 11.03.08 mit zwei meiner Mitarbeiter nach Magdeburg unterwegs war, war ich mir sicher, es wird gut klappen.

Mit unserem Transporter starteten wir in den frühen Morgenstunden, voll geladen mit Flaschenzügen, Holzbalken, Schweißzeug und allerhand Werkzeug, zum Teil extra für diese Demontage vorbereitet. Unsere erste Aufgabe bestand darin, die Flaschenzüge nach oben zu transportieren und in der Glockenstube aufzuhängen (der große Flaschenzug hebt 10 t und wiegt 90 kg). Nachdem die Glocken abgesetzt und gewogen waren, gingen wir daran den alten Eisenstuhl in transportfähige Einzelteile zu zerlegen.

Begleitet von der Fachkraft für Arbeitssicherheit gingen die Arbeiten gut und planmäßig voran.

Der Termin für das Herunterheben der kleineren Glocke war für Freitag, den 15.03.08 um 13.00 Uhr festgesetzt.

Der Vormittag wurde genutzt, mit einem Autokran Alteisen und nicht mehr benötigte Armaturen vom Turm zu heben. Dem großen Ereignis wollten eine ganze Reihe Magdeburger und Gäste beiwohnen. Viele Interessierte und Schaulustige waren gegen Mittag zur Johanniskirche gekommen.

Nachdem verschiedene Reden gehalten waren, verließ die kleinere Glocke mit 2,8t die Glockenstube. Bläser vom Theater Magdeburg begleiteten den Weg der Glocke nach unten.

Per Spedition ging die Glocke auf einer Direktfahrt in das Glockenschweißwerk Lachemeyer in Nördlingen.

In dieser einmaligen Spezialwerkstatt soll die Glocke repariert werden:

    Schweißen von einem Riss

    Formen, gießen und anschweißen von zwei fehlenden Kronenarmen

    Verschweißen der Bohrungen in der Haube

 

Am späten Abend des 15.03.08 verließ ich mit meinen Mitarbeitern die Glockenstube St. Johannis - geschafft und zufrieden.- Nur noch die große Glocke stand in der Glockenstube. All das, was zuvor als Glockentechnik benötigt wurde, war ausgebaut. Besenrein erwartete die Turmstube die nächste Firma, die gleich am darauf folgenden Montag ihre Arbeit beginnen sollte.

In Büro und Werkstatt bereiteten wir in den kommenden Monaten alles vor, damit im Sommer wieder montiert werden kann.

 

Christian Beck

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